Belfast ist eine schöne Stadt, die anderen britischen Städten im nichts weder nach- noch vorsteht. Seit einer Woche läuft aber meine Nase, und die Kälte hier wird nur von den Einheimischen ohne Klagen ertragen. Manche tragen sogar kurze Hosen, welche ich nicht mal mitten im Sommer hier tragen würde. Ich dagegen pflege es mich jeden morgen so einzupacken, als ob sich (nur optisch) mein Gewicht verdoppelt hätte.
Doch fangen wir von vorne an. Ich galt seit Oktober letzten Jahres als nicht erwerbstätig mit leichten Nebeneinkünften. Da dachte ich, dass es gut wäre mich mal beim RAV, dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (oder ähnlich) in Einsiedeln zu melden. Das tat ich dann auch und wurde mit ein paar Broschüren und ein paar Links wieder nach Hause geschickt. Als ein Mann, der lesen und schreiben kann (so weit es eben geht), kämpfte ich mich durch die Broschüren und als Mann, der schon mal was vom Internet gehört hat, besuchte ich die Stellenvermittlungsseiten und musste feststellen, dass ich eigentlich doch den Status des Arbeitslosen erlangen könnte, was mich aber nicht unbedingt Freudensprünge machen liess. Jedoch verlinkte mich eine Seite im Wörld Weid Web auf die ausländischen Stellenangebote. Dort fand ich dann eine Stelle, die ich hier nicht näher bezeichnen möchte (siehe dazu Kapitel 2) und habe mich prompt beworben. Prompt kam auch die Antwort…
Freitag morgen um sechs war meine Bewerbung abgeschickt worden. Um zwölf Uhr wurde mir von einer wohl klingenden Dame Honig ums Maul geschmiert. Nach etwa zwei Stunden harter Leckerei meinerseits und ein paar Standard-Assessment-Fragen ihrerseit, kam sie auf die Idee mich innerhalb von zwei Tagen nach Nordirland zu holen um ein Jahr dort zu bleiben. Belfast sei eine schöne Stadt, und wir würden zusammen sicherlich viel Spass miteinander haben. Ich habe sie nicht wieder gesehen.
Habe jedoch noch Freitagnachmittag per Easy Jet den Flug von Basel nach London Luton gebucht um von dort weiter nach Belfast zu fliegen. Diese Reise trat ich auch letzten Sonntag an und nach Vollendung auch ab. Exkurs: Easy Jet bietet viel mehr als unsere Swiss, in vielerlei Hinsicht. Exkurs Ende.
Seit Sonntag lebe ich nun in Belfast. Die ersten Tage waren kalt, sehr kalt und die anderen ebenso. Mir wurde ein Bed & Breakfast gebucht, wo ich die ersten paar Tage, bis ich eine Wohnung gefunden habe, verbringen sollte. “Bed” konnte ich nur mit meiner Kappe ertragen, da die Heizung nicht so richtig funktioniert hat. “Breakfast” hatte da schon mehr zu bieten. Ausser einen dünnen, sehr dünnen und ich meine es auch so dünnen Kaffe, bekam man Schinken und Eier und Toast “well done on both sides”. Die Betreiberin “can hear it in my accent when I talk” und mit ihrem Dialekt habe ich sie anfangs wirklich nur schwer verstanden, denn “I’m a Einsiedler on same island like Cork.”
Heute lebe ich mit einem deutschen Türken und einem napoletanischen Italiener zusammen in einem riesigen Haus, das einem Wein- und Bier-Shop betreiber gehört, welcher unter uns seinen Laden betreibt. Der Mann heisst Tony und ist sehr nett, was sich in unserer neuen Mikrowelle, dem Toaster und zu Schleuderpreisen organisierten Fahrrädern ausdrückt.
Was mir nun so aufgefallen ist: die Frauen sind ziemlich offen und aggressiv (in ihrem Paarungsverhalten), Alkohol und Zigaretten (alles was mir lieb und teuer ist) sind teuer, ich muss unbeding Dublin, Cork, Golway und noch eine Stadt besuchen, die mir aber momentan entfallen ist.
Ich werde in der nächsten Zeit eine neue Händinummer bekommen und sie meinen lieben Freunden weiterleiten, damit sie sich ab und zu per audio melden können.